Die Regeln des großen Turniers von Sankt Wendel 2012

Es gibt zwei für den Turnier-Gesamtsieg relevante Wettebewerbe (Tjost und Melée) pro Tag. Dabei wird der individuelle Gesamtsieger des dreitägigen Turniers ermittelt. Neben dem Wettkampf der Ritter wird es auch einen Wettbewerb der Knappen geben, die ihren eigenen Preis unter sich ausmachen.

Das große Turnier in Sankt WendelDie Tjoster versuchen mit ihren Lanzen den Gegner möglichst gut zu treffen und damit Punkte zu sammeln. Dabei sollten die Aktionen ästhetisch und meisterlich erfolgen, denn sie präsentieren ihre reiterlichen und kämpferischen Fähigkeiten kenntnisreichen Richtern, den edlen Frauen.

Der erste Vergleich an jedem Tag wird der Tjost, der Reiterkampf mit ungeschwächten Lanzen sein. Das Tjosterfeld setzt sich aus drei Paarungen zusammen, von denen jede 4 Lanzengänge durchführen wird. Damit reitet jeder der sechs Teilnehmer  gegen drei von fünf unterschiedlichen Kontrahenten im Laufe des Gesamtturniers. Abhängig vom  Körperziel und von der Art des Lanzenbruchs erhält der erfolgreiche Ritter 1 – 7 Punkte pro Gang (siehe Punktetabelle).

Wird ein Ritter durch Einwirkung der gegnerischen Lanze aus dem Sattel gehoben (diese Bedingung gilt als erfüllt, wenn der Reiter als Folge des Treffers den Boden berührt, bevor er sein Pferd zu einem kontrollierten Halt gebracht hat), so bekommt er für seinen Gang keinen, sein Gegner dagegen 20 Punkte.

Sperren des Gegners bringt keine Punkte, tiefe Treffer jeglicher Art sind verboten. Ist der linke Fuß bei einem Treffer weiter als 40 cm von der Mittelbande entfernt (gemessen zum Zeitpunkt des Auftreffens der Lanzenspitze), so wird der Gang für den Täter als „Faul“ gewertet und eventuelle Trefferpunkte werden nicht gezählt; der „Gefaulte“ dagegen erhält, je nach Schwere des Vergehens, seinerseits bis zu 7 Wertungspunkte.

Ist ein  Ritter in allen Gängen erfolgreich, ohne aber einen seiner Gegner aus dem Sattel zu heben, so kann er pro Turniertag maximal 28 Punkte gutgeschrieben bekommen. Dazu kommt noch die gesonderte Bewertung durch die edlen Damen des Turniers, die insgesamt bis zu 40 zusätzliche Punkte (max. 16 je einzelnem Tjoster) pro Turniertag vergeben können.

Bei dem Knappentjost tragen die Kämpfer eine andere (leichtere) Rüstung und es darf nicht auf den Kopf gezielt werden. Zufällige Treffer im Bereich des Helmes werden nicht gewertet. Ansonsten verhält sich die Punktevergabe wie bei dem Tjost der Ritter.

Der zweite Wettbewerb ist das Melée, die wohl prestigeträchtigste Form des Turniers überhaupt, bei der im Mittelalter die Präsentation des reiterlichen Vermögens der Ritter und der Trainingsstand des Kriegspferdes im Fokus stand. Dieses wird in zwei Teams in täglich unterschiedlicher Zusammensetzung ausgefochten - „Burgunder gegen Kaiserliche“.  Jedes Team besteht aus 4 Rittern und einem Knappen. Letzterer führt jeweils das Banner eines vom Team ausgewählten Ritters. Die Knappen stellen beim Kampf keine Ziele dar (dürfen nicht mit Waffen angegriffen werden), dürfen aber taktisch agieren und ggf. Deckung erzeugen. Unter allen Umständen sollen sie aber ihrem zugehörigen Ritter folgen und, wenn von diesem getrennt, möglichst zügig wieder aufschließen.

Ein spezielles Fanfarensignal wird den Kampf freigeben, ein weiteres diesen unterbrechen (z.B. wenn der Turniermeister dazwischen reitet, um einen Kämpfer aus dem Melée zu nehmen) und ein drittes das Kampfspiel beenden und die verbliebenen Kombattanten in ihre „Ends“ (Schutzzonen an den jeweiligen Enden des Feldes, in denen nicht gekämpft werden darf) zurückbeordern.

Der Verlust von Waffen oder Rüstungsteilen führt zur Unterbrechung des Kampfes, um diese wieder aufzusammeln oder wegzuräumen.

Der Verlust einer Waffe bedeutet aber nicht automatisch die Niederlage, sondern der Kämpfer hat unter Umständen die Möglichkeit, sich erfolgreich von seinem Gegner zu lösen, sich in die Schutzzone zurückzuziehen und sich eine neue Waffe reichen zu lassen.

Die letzten 10 Meter an den beiden gegenüberliegenden Enden des Gesamtfeldes stellen die Schutzzone je eines Teams dar, in denen kein Angriff/Kampf stattfinden darf.

Nach folgenden Richtlinien wird der Turniermeister
einzelne Ritter aus dem Gefecht nehmen:

Die Ablösung eines Ritters geht wie folgt vonstatten:

Der Turniermeister selbst führt eine Lanze mit einem daran befestigten Tuch. Zur Herausnahme eines Ritters aus dem Kampfgeschehen reitet der Turniermeister nach dem entsprechenden Unterbrechungssignal zu dem geschlagenen Kombattanten und zieht das Tuch über dessen Kopf. Der Ritter wird sein Pferd anhalten und der Turniermeister reitet um diesen einen Kreis und gibt das Signal zur offiziellen Herausnahme des Teilnehmers. Er wird diesen zur Teamecke eskortieren und danach wieder auf seinen Platz bei den Signaltrompetern zurückkehren. Erst nach Prüfung der Bereitschaft der verbleibenden Teilnehmer gibt er das Signal zur Wiederaufnahme des Kampfes.

Wird der Ritter herausgenommen, begleitet der ihm zugeteilte Bannerträger jenen auf seinem Weg aus dem Kampffeld.

Leistungsbeurteilung:

Das große Turnier in Sankt WendelDas Melée wird durch den Turniermeister (und die Turnierdamen) beurteilt. Es zieht sich über eine reine Kampfzeit von 10 Minuten. Eventuelle Auszeiten werden nicht gerechnet.

Gewonnen hat die Partei, von der zum Zeitpunkt der Schlussfanfare noch die meisten Kombattanten kampfberechtigt sind. Im Falle eines zahlenmäßigen Gleichstands bestimmt der Turniermeister (zusammen mit den Turnierdamen) die siegreiche Partei. Wird eine Partei vor Ablauf der Kampfzeit vollständig ausgeschaltet, kommt es zu einem Neustart. Dabei bleiben der siegreichen Partei die Wertungspunkte erhalten, zusätzlich ergibt sich aber für beide Seiten die Gelegenheit zum Sammeln weiterer Wertungen.

Als Mitglied des Gewinnerteams erhalten die Ritter, einschließlich des beigeordneten Bannerträgers (Knappen), jeweils 25 Punkte. Darüber hinaus können die Damen insgesamt weitere 40 Punkte für besonders ansprechende Leistungen (unabhängig ob ein Ritter zur Gewinner- oder zur Verlierermannschaft gehört) vergeben.

Gesamtwertung:

Für jeden Ritter werden alle über das dreitägige Turnier gesammelten Punkte (Punkte des Turniermeisters und der Damen) zusammengezählt und führen zu einem individuellen Endstand. Der Ritter mit der höchsten Punktzahl wird nach Abschluss der Wettkämpfe zum Turniersieger erklärt und erhält den großen Ehrenpreis:

Der große Ehrenpreis beim großen Turnier in Sankt Wendel

Weitere Preise werden für den besten Tjoster und Meléekämpfer unter den Knappen sowie für den tapfersten Ritter des Turniers (letzterer wird ebenfalls von dem Turniermeister und den Damen gekürt) vergeben:

Der Preis für den Knappentjost beim großen Turnier in Sankt Wendel
Preis für den Knappentjost

Der Preis für Tapferkeit beim großen Turnier in Sankt Wendel
Preis für Tapferkeit

Punktetabelle:

Tjost:

Treffen des Schildes ohne die Lanze zu zerbrechen 1 Punkt
Brechen einer Lanze auf dem Schild 5 Punkte
Treffen des Helmes ohne die Lanze zu zerbrechen 2 Punkte
Brechen der Lanze am Helm 7 Punkte
Stoß des Gegners aus dem Sattel 20 Punkte
Sonderpunkte durch die Damenjury 40 Punkte
max. 16 Punkte für einen Tjoster pro Tag

Melée:

Mitglied der Siegermannschaft 25 Punkte pro Sieg
Sonderpunkte durch die Damenjury 40 Punkte
max. 40 Punkte für einen Tjoster pro Tag